zbKA — Zentrum Baukultur Karlsruhe
Anfang   Nachrichten   Termine   Über das zbKA   Archiv   Links   Impressum
Stellungnahme
Zum aktuellen Stand der Planungen Neubau Marktplatz/Kaiserstraße Nordseite

Karlsruhe diskutiert über Architektur und den öffentlichen Raum. Leidenschaftlich und anhand von Inhalten – endlich möchte man sagen. Fragen werden öffentlich diskutiert, die schon längst gestellt und beantwortet gehören. Dies allein ist schon als Ergebnis der Vorgänge um den Marktplatz zu begrüßen. Einen wesentlichen Anstoß hierzu hat Ende März die gemeinsame Podiumsdiskussion von BNN und zbKA gegeben. Die öffentliche Diskussion hat das in Karlsruhe versammelte Potenzial und die Tragweite architektonischer Eingriffe erwiesen. Sind also alle Fragen beantwortet? Und wird man daraus etwas für zukünftige Aufgaben lernen? Angesichts der Breite der Diskussion erscheint es uns notwendig, die Argumente zu sortieren und im Hinblick auf die Zukunft der Stadtplanung in Karlsruhe in produktive Bahnen zu lenken.

1.
Hierin hat Bürgermeister Eidenmüller recht: Eine Stadt muss ihre Dynamik bewahren, die Kraft sich weiterzuentwickeln. Dies muss und kann aber nicht bedeuten, qualitätvolle Architektur vergangener Jahre abzureißen.

2.
Stadtentwicklung darf nicht weiter als Kampf der Interessen verstanden werden. Entscheidend für den Erfolg ist nicht Durchsetzungsvermögen, sondern verständige Vermittlung zwischen allen Seiten. Denn in der Stadt gibt es keine Einzelinteressen. Die Wirtschaft ist auf eine Pflege des Stadtbildes ebenso angewiesen wie umgekehrt. Richtig betrachtet, ist somit auch der pflegliche Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz nur eine weitere Seite derselben Medaille und trägt zur Wirtschaftskraft bei.

3.
Am Ende des Wettbewerbes stehen zwei konkurrierende, nicht restlos überzeugende Lösungen. Wie das Urteil zustande kam, ist nicht nachvollziehbar. Hierzu ist eine verbindliche städtebauliche Planungsvorbereitung erforderlich. Nur so entsteht  für den Investor Planungssicherheit sowie Zeit- und Geldersparnis. Ein Investor will verlässliche und kompetente Partner in der Stadtverwaltung finden und wissen, worauf er sich einlässt.

4.
Der Fall Marktplatz zeigt, wie zentral die Baugeschichte für eine Stadt wie Karlsruhe ist: als materielles Kapital wie als immaterielle Identifikation. Sie ist kein Selbstzweck, keine Träumerei und kein Hindernis, sondern unverzichtbare Grundlage: Um eine Stadt weiterentwickeln zu können, muss man sie verstehen und lesen können.

5.
Vergleichbaren Herausforderungen wird sich die Stadt auch in Zukunft stellen müssen. Anstatt sich von Fall zu Fall, Grundstück zu Grundstück, überraschen zu lassen, gilt es, endlich Perspektiven für den Stadtraum zu entwickeln, was die Nutzung und die Gestaltung betrifft. So stieß der Wettbewerb auf ein Vakuum, wie sich der Marktplatz, die erste Adresse der Stadt, oder auch die Rückseite, der Zirkel, in das Gesamtbild der Stadt einfügt. Karlsruhe braucht einen Baubürgermeister, der zusammen mit seinem Planungsamt in einem öffentlichen Verfahren ein städtebauliches Leitbild entwickelt, das sich gerade und vor allem mit den drängenden Fragen der inneren Stadt und ihrem zeitgeschichtlichen Erbe auseinandersetzt. Wie sieht sich die Stadt selbst – in Geschichte, Gegenwart und Zukunft – und wie lässt sich dies in breitem Konsens vermitteln und umsetzen? Bei allen anstehenden Neubesetzungen betreffender Positionen muss dies endlich berücksichtigt werden. Die öffentliche Diskussion zeigt, dass die Politik der Eigenversorgung und Postenverschiebung hier endgültig an ihre Grenzen gelangt ist.

Die Volksbank am Marktplatz Karlsruhe

Gegenstand öffentlicher Diskussionen: Das Gebäude der Volksbank Karlsruhe des Architekten Erich Schelling am Markplatz

Mehr zum Thema

BNN am 10. Dezember 2007
„Was kommt für die Volksbank?”

BNN am 30. März 2007
„Der Marktplatz als ‚Sachgesamtheit’”

BNN am 29. März 2007
„Das ist die sensibelste Stelle der Stadt”

„Heikle Aufgabe” (Kommentar)

BNN am 15. Februar 2007
„Symmetrie muss bleiben”

www.karlsruhe.de am 14. Februar 2007
„Volksbank-Grundstück: BM Eidenmüller informierte Planungsausschuss”

BNN am 9. Februar 2007
„Ein anderes Gebäude zerstört die Häuserzeile”

BNN am 6. Februar 2007
„Verantwortung für das Stadtbild”

BNN am 2. Februar 2007
„Wird am Marktplatz bald neu gebaut?”

„Der Marktplatz”

„Emotionale Mitte” (Kommentar)